GEMEINSAM für Geschlechtergerechtigkeit – unsere Kampagne startet

Zusammen mit weiteren Frauen- und Männerorganisationen ist männer.bw an der Vorbereitung einer neuen Kampagne für eine geschlechtergerechte Gesellschaft beteiligt. Auf betterplace.org ist dazu nun ein Aufruf veröffentlicht worden, da für die Umsetzung noch Finanzierungsbedarf besteht.

👉 Projekt: „GEMEINSAM für eine geschlechtergerechte Gesellschaft“
Aufruf auf betterplace.org

Die Kampagne wurde auf Initiative des Landesfrauenrats gemeinsam entwickelt. männer.bw war von Beginn an aktiv in die Vorbereitung eingebunden. Frauen- und Männerorganisationen treten dabei erstmals in dieser Form bewusst und sichtbar als Partner auf. Die Zusammenarbeit hat sich bislang als sehr konstruktiv und tragfähig erwiesen.

Dieses gemeinsame Vorgehen ist neu und zugleich ein wichtiges Signal: Geschlechtergerechtigkeit wird nicht getrennt verhandelt, sondern gemeinsam gestaltet und getragen.

Zum Start der Kampagne geht es vor allem darum, den Aufruf bekannt zu machen und weiterzutragen. Jede Verbreitung unterstützt die Sichtbarkeit und Wirksamkeit der Initiative – vielen Dank dafür!

Neues Positionspapier: Sexualisierte Gewalt gegen Jungen und junge Männer sichtbar machen, verhindern und Betroffene unterstützen

Sexualisierte Gewalt gegen Jungen und junge Männer bleibt oft unsichtbar – nicht, weil sie selten ist, sondern weil Scham, stereotype Männlichkeitsbilder und fehlende Aufmerksamkeit Betroffene zum Schweigen bringen. Das neue Positionspapier Sexualisierte Gewalt gegen Jungen und junge Männer sichtbar machen, verhindern und Betroffene unterstützen des Bundesforums Männer fordert, männliche Betroffenheit konsequent anzuerkennen, Prävention geschlechterreflektiert weiterzuentwickeln und passgenaue Hilfsangebote auszubauen. Ziel ist ein wirksamer Gewaltschutz, der niemanden übersieht und allen von sexualisierter Gewalt Betroffenen gerecht wird.

Das Positionspapier wurde von der Mitgliederversammlung des Bundesforums Männer am 3. Juni 2026 beschlossen. Für männer.bw hat Gunter Neubauer in der Arbeitsgruppe zur Erarbeitung des Positionspapiers mitgewirkt und seine fachliche Expertise in die Entwicklung der Positionierung eingebracht.

Jetzt das Positionspapier lesen und mehr über die Empfehlungen für Politik, Fachpraxis und Zivilgesellschaft erfahren!

Bericht zur 16. Mitgliederversammlung des Bundesforums Männer

Die 16. ordentliche Mitgliederversammlung des Bundesforums Männer fand am 3. Juni 2026 in der Berliner Stadtmission statt. Zu Beginn waren 34 Delegierte aus 26 Mitgliedsorganisationen anwesend; im weiteren Verlauf kamen weitere Delegierte hinzu. Neben den Mitgliedern nahmen zahlreiche Gäste aus Mitgliedsorganisationen und Kooperationspartnern an der Versammlung teil, was den fachlichen Austausch zusätzlich bereicherte.

Ein besonderer Höhepunkt war die einstimmige Aufnahme von zwei neuen Mitgliedsorganisationen: des Verbands binationaler Familien und Partnerschaften (iaf) sowie des Sozialverbandes Deutschland (SoVD). Beide wurden herzlich im Bundesforum Männer willkommen geheißen. Besonders erfreulich fand ich, dass die neuen Mitgliedsorganisationen durch Frauen vertreten wurden. Das brachte frische Perspektiven in die Versammlung und sorgte aus meiner Sicht für eine wohltuende Erweiterung der bisher überwiegend männlich geprägten Runde.

Ich habe die Mitgliederversammlung als sehr gut organisiert, offen und konstruktiv erlebt. Die Berichte aus Vorstand und Geschäftsstelle sowie die Diskussionen über die zukünftigen fachpolitischen Schwerpunkte machten deutlich, dass sich das Bundesforum Männer kontinuierlich weiterentwickelt und seine Rolle als wichtige Stimme für Jungen-, Männer- und Väterpolitik weiter ausbaut.

Ein besonders interessanter Moment war für mich die Diskussion zum Positionspapier Sexualisierte Gewalt gegen Jungen und junge Männer sichtbar machen, verhindern und Betroffene unterstützen. In diesem Zusammenhang konnte ich die Anmerkung von Hans-Joachim Lenz einbringen, dass die gleichzeitige Beschreibung der Täterperspektive zu einer Schwächung der Opferperspektive führen kann. Ich habe mich gefreut, diesen fachlichen Impuls in die Diskussion einzubringen.

Ein weiterer wichtiger Beschluss betraf die Finanzierung des Verbands. Die Mitgliedsbeiträge werden erhöht und künftig jährlich automatisch an die Inflationsrate angepasst. Damit soll die finanzielle Grundlage des Bundesforum Männer langfristig gestärkt werden.

Mit Sorge habe ich die Diskussion über die Situation in den ostdeutschen Bundesländern verfolgt, in denen im Herbst Landtagswahlen stattfinden. In der Versammlung wurde die Befürchtung geäußert, dass sich mögliche politische Veränderungen auf die Förderung von Projekten auswirken könnten. Insbesondere wurde die Sorge formuliert, dass Vorhaben zu Vielfalt, Gleichstellung und Demokratiebildung unter einer möglichen Regierungsbeteiligung der AfD geringere Unterstützung oder Finanzierung erhalten könnten. Diese Diskussion machte deutlich, wie wichtig eine gute Vernetzung der Mitgliedsorganisationen und eine gemeinsame Interessenvertretung in den kommenden Jahren sein werden.

Die Diskussion hat bei mir auch die Frage aufgeworfen, wie weit die Solidarität innerhalb des Verbands künftig reichen sollte. Wenn Mitgliedsorganisationen in einzelnen Bundesländern aufgrund veränderter politischer Rahmenbedingungen ihre Finanzierung oder Handlungsmöglichkeiten verlieren, stellt sich aus meiner Sicht die Frage, ob Solidarität nicht auch ganz praktisch und finanziell gelebt werden müsste. Diese Überlegung halte ich für wichtig, um die Vielfalt und Handlungsfähigkeit des Netzwerks langfristig zu erhalten.

Besonders beeindruckt hat mich das große Engagement der Mitgliedsorganisationen sowie der respektvolle und lösungsorientierte Austausch zu den vielfältigen Themen und Projektgruppen. Insgesamt nehme ich viele positive Eindrücke, neue Kontakte und wertvolle Anregungen für die weitere Zusammenarbeit mit.

Kevin Koldewey

Preisregen für das Theaterstück „ich sehe was / was du nicht siehst“

Große Anerkennung für ein wichtiges Theaterprojekt: Das Theaterstück „ich sehe was / was du nicht siehst“ von Sergej Gößner, in dem es um sexualisierte Gewalt sowie die Perspektiven von Jungen und Männern als Betroffene geht, wurde seit seiner Uraufführung im September 2025 am Theater Aalen vielfach ausgezeichnet. Der Text erhielt unter anderem den Jugendstückepreis des Heidelberger Stückemarkts sowie den Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg. Auch die Aalener Inszenierung und das Ensemble wurden mehrfach ausgezeichnet.

männer.bw war in der Recherchephase Gesprächspartner für Autor Sergej Gößner und Regisseur Julius Max Ferstl. Umso mehr freuen wir uns über die große Resonanz, die dieses eindrucksvolle Stück inzwischen erfährt.

Wir hoffen, dass die Auszeichnungen dazu beitragen, dass das Stück an vielen weiteren Theatern gezeigt wird und die Aufmerksamkeit für sexualisierte Gewalt sowie für Jungen und Männer als Betroffene weiter wächst.

Getrennt lebende Väter: Unterstützung für mentale Gesundheit, Austausch und Teilhabe

Anlässlich der Internationalen Männergesundheitswoche 2026 – sie steht unter dem Motto „Einsamkeit ist ein Risiko – Gemeinschaft eine Ressource“ – rückt die Stadt Stuttgart die mentale Gesundheit getrennt lebender Väter in den Mittelpunkt. Trennung und Scheidung zählen zu den belastendsten Lebensereignissen im Erwachsenenleben: Viele Betroffene erleben emotionale Krisen, sozialen Rückzug und eine deutliche Verunsicherung in ihrer Vaterrolle.

Um dem zu begegnen, bietet die Stadt Stuttgart ein offenes Gruppenangebot für getrennt lebende Väter an. Es schafft einen geschützten Raum für Austausch, gegenseitige Unterstützung und Orientierung im Alltag mit Kindern. Im Fokus stehen mentale Stabilisierung, der Umgang mit Belastungen sowie Fragen der Teilhabe und der Beziehungsgestaltung zu den eigenen Kindern.

Das Angebot ist bewusst niedrigschwellig angelegt und soll den Zugang zu Unterstützung erleichtern. Es wird durch Fachkräfte der Stadt sowie aus einem Netzwerk psychologischer Beratungsstellen begleitet.

Die Treffen finden einmal monatlich im Seminarraum der Städtischen Familienbildung statt. Die Teilnahme ist kostenfrei und ohne Anmeldung möglich.

Weitere Informationen:
https://www.stuttgart.de/service/aktuelle-meldungen/2026/juni/getrennt-lebende-vaeter-unterstuetzen-angebot-unterstuetzt-mentale-gesundheit-austausch-und-teilhabe

Artikel „Nach einer Trennung weiter ein guter Vater sein – wie geht das?“ (Stuttgarter Zeitung 16.06.26)
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.gruppe-fuer-getrennt-lebende-vaeter-nach-einer-trennung-weiter-ein-guter-vater-sein-wie-geht-das.90647a32-8077-4449-a42d-aca8f916a5c5.html

Studienreise: Nachhaltige Männlichkeit im Kontext sozial-ökologischer Transformation (Südtirol, 19. – 22. April 2026)

„Leben bereichern, Horizonte öffnen“ – das Erasmus+-Leitmotiv spiegelt die Erfahrungen auf dieser Studienreise, einer Kooperation zwischen vhs-Verband und männer.bw, sehr treffend wider. Zwölf Teilnehmende waren von Meran aus unterwegs – mit Stationen im Ultental, in Bozen und Brixen.

Im Zentrum stand die Frage, was nachhaltige Männlichkeit ausmacht und wie sie konkret gelebt werden kann. Der Austausch mit Akteur:innen der Männerarbeit sowie aus Bildung und Zivilgesellschaft eröffnete differenzierte Perspektiven und zeigte, wie eng ökologische, soziale und wirtschaftliche Fragen miteinander verwoben sind. Dabei geht es auch um Selbstreflexion, emotionale Kompetenz und die Übernahme von Verantwortung für die eigenen Wirkungen auf Mitmenschen und Umwelt.

Die Exkursionen und Praxisbeispiele vor Ort – von nachhaltiger Landwirtschaft über soziale Projekte und Genossenschaften bis hin zu innovativen Energielösungen – machten deutlich, wie Transformation konkret gestaltet werden kann. Themen wie Klimawandel und nachhaltiger Tourismus wurden ebenso verhandelt wie Fragen regionaler Wertschöpfung und Gemeinwohlorientierung. Immer wieder zeigte sich, wie wichtig lokale Netzwerke und aktive Beteiligung für tragfähige Ansätze sind.

Ein Besuch im Meraner Frauenmuseum ergänzte die fachlichen Einblicke um eine geschlechterhistorische Perspektive und setzte wichtige Impulse für die Reflexion von Rollenbildern, gesellschaftlichen Entwicklungen und ihren politisch-kulturellen Rahmenbedingungen.

In gemeinsamen Workshops wurden die vielfältigen Eindrücke gebündelt und auf die eigene Bildungsarbeit übertragen. Dabei entstanden sowohl praktische Anknüpfungspunkte als auch weiterführende Fragen für die Erwachsenenbildung. Die Studienreise hat damit Impulse gesetzt, die über die gemeinsamen Tage hinaus wirken können – fachlich, persönlich und für die Praxis vor Ort.

„Wir haben auf der Studienreise nicht nur Aspekte der Nachhaltigkeit, sondern auch diverse Anregungen für ein gemeinschaftliches Miteinander, den Stiftungs- und Genossenschaftsgedanken und ein tolles Präventionsprojekt kennengelernt. Die Zusammenstellung der Orte, die Begegnungen mit den Menschen und deren Projekten war klasse und haben für die Thematik immer wieder neue Aspekte aufgezeigt. Super, vielen Dank – dieses Seminar wirkt nachhaltig!“ (ein Teilnehmer)

männer.bw fördert zwei Filmprojekte mit jeweils 500 €

Mit Hemmungen und Über_Gewicht unterstützt männer.bw zwei Filmprojekte von Nachwuchs-Filmemachern, die sich differenziert mit oft tabuisierten Aspekten von Männlichkeit auseinandersetzen – und zugleich Wege der Reflexion, Verantwortung und Veränderung aufzeigen.

HEMMUNGEN. Ein Dokumentarfilm über Pädophilie von Lavi Siemens
Der dokumentarische Kurzfilm Hemmungen (Filmakademie Baden-Württemberg, Ludwigsburg) widmet sich dem gesellschaftlich strak stigmatisierten Thema Pädophilie. Im Zentrum steht ein junger Mann, der nicht straffällig geworden ist und sich bewusst in Therapie begibt, um verantwortungsvoll mit seiner Disposition umzugehen. In einem reduzierten Setting – ausschließlich im Therapieraum – entsteht ein intensiver, authentischer Dialogprozess. Der Film macht deutlich, wie wichtig es ist, zwischen Disposition und Handlung zu unterscheiden, und zeigt, dass Prävention dort ansetzt, wo Betroffene nicht einfach ausgegrenzt werden, sondern adäquate Unterstützung finden.

ÜBER_GEWICHT. Ein experimenteller Kurzfilm über männliche Körperbilder von Leon Zorn
Der experimentelle Kurzfilm Über_Gewicht  (FH Salzburg | MultiMediaArt) beleuchtet männliche Körperbilder und die oft verborgenen inneren Konflikte zwischen Scham, Selbstoptimierung und gesellschaftlichem Druck. In einer poetisch-visuellen Form erzählt der Film von Körperentfremdung und dem Versuch, einen versöhnlichen Umgang mit sich selbst zu finden – ein Themenfeld, über das viele Männer selten oder nur in geschützen Kontexten sprechen können.

Beide Projekte greifen schwierige, gesellschaftlich relevante Themen auf und machen zugleich Bewältigungsressourcen und positive Entwicklungsmöglichkeiten sichtbar. Sie befinden sich aktuell in der Produktion und werden in den kommenden Monaten auf Festivals, im Kino sowie in Bildungs- und Diskussionsformaten zu sehen sein.

männer.bw unterstützt die Filme nicht nur finanziell, sondern auch durch Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit – als Beitrag zu einer differenzierten, offenen Auseinandersetzung mit Männlichkeiten jenseits stereotyper Zuschreibungen.

Abschluss des Onlinekurses „Prostitution – eine Arbeit wie jede andere?“

Die Abschlussauswertung des Onlinekurses „Prostitution – eine Arbeit wie jede andere?“ der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg fand am 13.04.2026 statt. Insgesamt hatten sich 17 Männer für den von Gunter Neubauer (männer.bw) und Karsten Kassner (Bundesforum Männer) begleiteten Kurs angemeldet. Im Mittelpunkt der Abschlussrunde standen die Reflexion persönlicher Eindrücke zum Thema Prostitution, die Erfahrungen im gemeinsamen Lern- und Diskussionsprozess sowie die Frage nach fachlichen und politischen Konsequenzen für Männerarbeit, Männerorganisationen und angrenzende Arbeitsfelder. Die Diskussionen machten deutlich, dass das Thema von starken Ambivalenzen, unterschiedlichen normativen Perspektiven und einem hohen Bedarf an weiterführendem Austausch geprägt ist.

Angesprochen wurde zunächst, dass Sexkauf und Sexverkauf als gesellschaftliches Phänomen gesehen werden müssen, in dessen Kontext v.a. die Rechte von Sexarbeiter:innen gestärkt werden sollten. Als gemeinsames Ziel wurde benannt, dass Männer keine Gewalt ausüben und sich respektvoll verhalten.

Der Austausch ausschließlich unter Männern wurde überwiegend als hilfreich erlebt, da er den Zugang zum Thema erleichterte. Gleichzeitig wurden sich wiederholende Kontroversen um ein Sexkaufverbot teilweise als ermüdend beschrieben. Angeregt wurde mehr persönliche bzw. Online-Präsenz, um besser in einen konstruktiven Austausch zu kommen und Positionen weiterzuentwickeln. Statt Maximalforderungen brauche es die Suche nach einem emanzipatorischen Konsens bzw. einem „Common ground“, etwa in der Orientierung auf ein selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben.

Kontrovers diskutiert wurde die Frage, wie Prostitution bzw. Sexarbeit zu bewerten ist. Einzelne Teilnehmende kritisierten eine zu einfache Reduktion auf „Sexarbeit als Folge des Patriarchats“ und wiesen darauf hin, dass Moralisierungen schwierig seien. Andere vertraten die Position, dass es im Rahmen der bestehenden Prostitution keine „freie“ Prostitution gebe und beschrieben diese als „Fickfleischindustrie“, in der v.a. Frauen zur Ware würden.

Mehrfach wurde der Wunsch nach einer ausgewogenen Darstellung der verschiedenen Regulationsmodelle und Positionen geäußert. Dabei wurde angeregt, unterschiedliche Perspektiven stärker gegenüberzustellen und den offenen Diskurs zu fördern. Zugleich wurde deutlich, dass eine dezidierte Positionierung für oder gegen das Nordische Modell nicht für alle Teilnehmenden einfach war. Demgegenüber stand der Wunsch nach einer stärkeren Trennung von Empirie, Werten und politischen Konsequenzen sowie nach einer „neutralen“ Darstellung unterschiedlicher Sichtweisen.

Die Diskussion machte zugleich deutlich, wie stark bereits die Begriffe „Prostitution“ und „Sexarbeit“ Ambivalenz und Polarisierung ausdrücken. Zugleich wurde gefragt, welchen praktischen oder politischen Nutzen diese Kontroversen haben und wie stattdessen Männer besser erreicht werden können – etwa Freier oder Jungen und junge Männer im Rahmen von Jungen- und Männerarbeit.

Als wichtige Themen wurden unter anderem Manosphere, Pornografie auf OnlyFans, die Loverboy-Methode, „Sugar Daddies“ sowie die Frage genannt, welche Auswirkungen solche Entwicklungen auf Beziehungen, Familienbilder und gesellschaftliche Vorstellungen haben. Ebenfalls angesprochen wurden Transpersonen sowie Männer in der Prostitution als vulnerable Gruppen.

Mehrfach wurde hervorgehoben, dass Datenlage und Wissen insgesamt begrenzt seien. Etwas offen blieb für manche der Blick darauf, wer die Frauen in der Prostitution sind, wer ihnen Ausstiegsmöglichkeiten organisiert und finanziert und wie das Spannungsverhältnis zwischen Menschenwürde und Freiheit von Sexarbeiter:innen zu bewerten ist. Abschließend stand die Frage im Raum, ob die Gesellschaft sich vielleicht wieder stärker in Richtung einer „prostitutiven Gesellschaft“ entwickelt.

„Der alte weiße Mann“ zwischen Klischee, Kritik und Selbstreflexion

Gesprächsabend im Tübinger machBar Café

Rund 30 Interessierte – darunter viele Männer der Generation „alter weißer Mann“, aber auch einige Frauen – kamen Ende März im machBar Café zusammen, um über ein Reizwort der Gegenwart zu diskutieren: den „alten weißen Mann“. Eingeladen hatten Axel Braig, Gunter Neubauer und Reinhard Winter.

Der Gesprächsabend bewegte sich bewusst jenseits einfacher Zuschreibungen. Nicht die Frage, ob „alte weiße Männer“ gut oder schlecht seien, stand im Mittelpunkt, sondern wie Männer mit gesellschaftlicher Verantwortung, Privilegien, Kritik und eigener Kränkung umgehen können – ohne in Abwehr oder Pauschalisierungen zu verfallen.

Den Einstieg gestaltete Gunter Neubauer mit einem pointierten Impuls unter dem Titel „Der alte weiße Mann – Figur, Fiktion, Verantwortung“. Dabei beschrieb er den „alten weißen Mann“ nicht als konkrete Person, sondern als gesellschaftliche Chiffre für historische Macht, kulturelle Normsetzung und männliche Dominanz. Kritik richte sich deshalb weniger gegen einzelne Männer als gegen eine lange Zeit selbstverständliche gesellschaftliche Struktur.

In den anschließenden Repliken von Reinhard Winter und Axel Braig sowie in der offenen Diskussion wurde deutlich, wie ambivalent viele Männer ihre eigene Position erleben. So bewegt sich auch Männerarbeit oft in einem Zwiespalt. Einerseits verstehen sich viele Männer als reflektiert, modern und offen – zugleich profitieren sie weiterhin von tradierten männlichen Privilegien. Dabei wurde darauf hingewiesen, dass gesellschaftliche Wirklichkeit selten schwarz-weiß sei, sondern sich meist in Grauzonen bewege.

Trotz teilweise kontroverser Beiträge blieb die Atmosphäre bemerkenswert offen und kommunikativ – passend zum Format eines „Kneipengesprächs“. Diskutiert wurde unter anderem darüber, wann Strukturkritik zur pauschalen Abwertung von Personen wird, wie Männer Kränkung äußern können, ohne Kritik abzuwehren, und welche Formen von Männlichkeit jenseits von Dominanz denkbar sind.

Dabei kamen auch aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen zur Sprache: digitale Gewalt, sexualisierte Deepfakes, #MeToo, Femizide oder die Debatten zur „Manosphere“. Mehrfach wurde betont, dass Gewalt, Machtmissbrauch und patriarchale Muster keine Randphänomene seien, sondern Fragen aufwerfen, die Männer insgesamt betreffen. Dabei richtete sich der Blick nicht nur auf ältere Generationen. In der Diskussion wurde ebenso deutlich: Problematisch sind auch junge Männer aller Couleur – quer durch Milieus, politische Lager und Lebensstile, und insbesondere dann, wenn autoritäre, antifeministische oder gewaltförmige Männlichkeitsbilder an Attraktivität gewinnen.

Gleichzeitig äußerten einige Teilnehmende Kritik daran, dass öffentliche Debatten über Männlichkeit häufig fast ausschließlich problemorientiert geführt würden und positive oder konstruktive Aspekte von Mannsein zu wenig Raum bekämen. Zugleich wurde vorsichtig die Frage gestellt, ob nicht auch feministische Debatten gelegentlich blinde Flecken entwickeln – etwa bei der Frage nach Privilegien und einem Leben auf Kosten anderer.

Als möglicher Umgang mit diesen Spannungen zeichnete sich im Verlauf des Abends keine einfache Lösung ab, wohl aber eine Haltung: die eigene Biografie und Verstrickung im Blick behalten, kritik- und veränderungsbereit bleiben und dennoch nicht in Selbstverachtung oder Trotz verfallen.

Neue Männlichkeiten leben: männer.bw im SWR-Beitrag zum Frauenstreik

männer.bw setzt sich für ein modernes Verständnis von Männlichkeiten und eine faire Verteilung gesellschaftlicher Aufgaben ein – und unterstützte deshalb auch den globalen Frauenstreik. Wie das konkret aussieht, zeigte unser Mitglied Terje Lange, Jugendhausleiter in Stuttgart, dem SWR. In seiner Arbeit mit Jugendlichen ermutigt er Jungen und junge Männer, über Gefühle zu sprechen, Rollenklischees zu hinterfragen und vielfältige Verantwortung im Alltag zu übernehmen. Sein Ziel: ein Männerbild, das mehr Möglichkeiten eröffnet – für Männer und für Frauen.

https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/maenner-fuer-den-frauenstreik-100.html

https://www.swr.de/~embed/swraktuell/baden-wuerttemberg/maenner-fuer-den-frauenstreik-104.html