Die 16. ordentliche Mitgliederversammlung des Bundesforums Männer fand am 3. Juni 2026 in der Berliner Stadtmission statt. Zu Beginn waren 34 Delegierte aus 26 Mitgliedsorganisationen anwesend; im weiteren Verlauf kamen weitere Delegierte hinzu. Neben den Mitgliedern nahmen zahlreiche Gäste aus Mitgliedsorganisationen und Kooperationspartnern an der Versammlung teil, was den fachlichen Austausch zusätzlich bereicherte.
Ein besonderer Höhepunkt war die einstimmige Aufnahme von zwei neuen Mitgliedsorganisationen: des Verbands binationaler Familien und Partnerschaften (iaf) sowie des Sozialverbandes Deutschland (SoVD). Beide wurden herzlich im Bundesforum Männer willkommen geheißen. Besonders erfreulich fand ich, dass die neuen Mitgliedsorganisationen durch Frauen vertreten wurden. Das brachte frische Perspektiven in die Versammlung und sorgte aus meiner Sicht für eine wohltuende Erweiterung der bisher überwiegend männlich geprägten Runde.
Ich habe die Mitgliederversammlung als sehr gut organisiert, offen und konstruktiv erlebt. Die Berichte aus Vorstand und Geschäftsstelle sowie die Diskussionen über die zukünftigen fachpolitischen Schwerpunkte machten deutlich, dass sich das Bundesforum Männer kontinuierlich weiterentwickelt und seine Rolle als wichtige Stimme für Jungen-, Männer- und Väterpolitik weiter ausbaut.
Ein besonders interessanter Moment war für mich die Diskussion zum Positionspapier Sexualisierte Gewalt gegen Jungen und junge Männer sichtbar machen, verhindern und Betroffene unterstützen. In diesem Zusammenhang konnte ich die Anmerkung von Hans-Joachim Lenz einbringen, dass die gleichzeitige Beschreibung der Täterperspektive zu einer Schwächung der Opferperspektive führen kann. Ich habe mich gefreut, diesen fachlichen Impuls in die Diskussion einzubringen.
Ein weiterer wichtiger Beschluss betraf die Finanzierung des Verbands. Die Mitgliedsbeiträge werden erhöht und künftig jährlich automatisch an die Inflationsrate angepasst. Damit soll die finanzielle Grundlage des Bundesforum Männer langfristig gestärkt werden.
Mit Sorge habe ich die Diskussion über die Situation in den ostdeutschen Bundesländern verfolgt, in denen im Herbst Landtagswahlen stattfinden. In der Versammlung wurde die Befürchtung geäußert, dass sich mögliche politische Veränderungen auf die Förderung von Projekten auswirken könnten. Insbesondere wurde die Sorge formuliert, dass Vorhaben zu Vielfalt, Gleichstellung und Demokratiebildung unter einer möglichen Regierungsbeteiligung der AfD geringere Unterstützung oder Finanzierung erhalten könnten. Diese Diskussion machte deutlich, wie wichtig eine gute Vernetzung der Mitgliedsorganisationen und eine gemeinsame Interessenvertretung in den kommenden Jahren sein werden.
Die Diskussion hat bei mir auch die Frage aufgeworfen, wie weit die Solidarität innerhalb des Verbands künftig reichen sollte. Wenn Mitgliedsorganisationen in einzelnen Bundesländern aufgrund veränderter politischer Rahmenbedingungen ihre Finanzierung oder Handlungsmöglichkeiten verlieren, stellt sich aus meiner Sicht die Frage, ob Solidarität nicht auch ganz praktisch und finanziell gelebt werden müsste. Diese Überlegung halte ich für wichtig, um die Vielfalt und Handlungsfähigkeit des Netzwerks langfristig zu erhalten.
Besonders beeindruckt hat mich das große Engagement der Mitgliedsorganisationen sowie der respektvolle und lösungsorientierte Austausch zu den vielfältigen Themen und Projektgruppen. Insgesamt nehme ich viele positive Eindrücke, neue Kontakte und wertvolle Anregungen für die weitere Zusammenarbeit mit.
Kevin Koldewey