männer.bw fördert zwei Filmprojekte mit jeweils 500 €

Mit Hemmungen und Über_Gewicht unterstützt männer.bw zwei Filmprojekte von Nachwuchs-Filmemachern, die sich differenziert mit oft tabuisierten Aspekten von Männlichkeit auseinandersetzen – und zugleich Wege der Reflexion, Verantwortung und Veränderung aufzeigen.

HEMMUNGEN. Ein Dokumentarfilm über Pädophilie von Lavi Siemens
Der dokumentarische Kurzfilm Hemmungen (Filmakademie Baden-Württemberg, Ludwigsburg) widmet sich dem gesellschaftlich strak stigmatisierten Thema Pädophilie. Im Zentrum steht ein junger Mann, der nicht straffällig geworden ist und sich bewusst in Therapie begibt, um verantwortungsvoll mit seiner Disposition umzugehen. In einem reduzierten Setting – ausschließlich im Therapieraum – entsteht ein intensiver, authentischer Dialogprozess. Der Film macht deutlich, wie wichtig es ist, zwischen Disposition und Handlung zu unterscheiden, und zeigt, dass Prävention dort ansetzt, wo Betroffene nicht einfach ausgegrenzt werden, sondern adäquate Unterstützung finden.

ÜBER_GEWICHT. Ein experimenteller Kurzfilm über männliche Körperbilder von Leon Zorn
Der experimentelle Kurzfilm Über_Gewicht  (FH Salzburg | MultiMediaArt) beleuchtet männliche Körperbilder und die oft verborgenen inneren Konflikte zwischen Scham, Selbstoptimierung und gesellschaftlichem Druck. In einer poetisch-visuellen Form erzählt der Film von Körperentfremdung und dem Versuch, einen versöhnlichen Umgang mit sich selbst zu finden – ein Themenfeld, über das viele Männer selten oder nur in geschützen Kontexten sprechen können.

Beide Projekte greifen schwierige, gesellschaftlich relevante Themen auf und machen zugleich Bewältigungsressourcen und positive Entwicklungsmöglichkeiten sichtbar. Sie befinden sich aktuell in der Produktion und werden in den kommenden Monaten auf Festivals, im Kino sowie in Bildungs- und Diskussionsformaten zu sehen sein.

männer.bw unterstützt die Filme nicht nur finanziell, sondern auch durch Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit – als Beitrag zu einer differenzierten, offenen Auseinandersetzung mit Männlichkeiten jenseits stereotyper Zuschreibungen.

Abschluss des Onlinekurses „Prostitution – eine Arbeit wie jede andere?“

Die Abschlussauswertung des Onlinekurses „Prostitution – eine Arbeit wie jede andere?“ der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg fand am 13.04.2026 statt. Insgesamt hatten sich 17 Männer für den von Gunter Neubauer (männer.bw) und Karsten Kassner (Bundesforum Männer) begleiteten Kurs angemeldet. Im Mittelpunkt der Abschlussrunde standen die Reflexion persönlicher Eindrücke zum Thema Prostitution, die Erfahrungen im gemeinsamen Lern- und Diskussionsprozess sowie die Frage nach fachlichen und politischen Konsequenzen für Männerarbeit, Männerorganisationen und angrenzende Arbeitsfelder. Die Diskussionen machten deutlich, dass das Thema von starken Ambivalenzen, unterschiedlichen normativen Perspektiven und einem hohen Bedarf an weiterführendem Austausch geprägt ist.

Angesprochen wurde zunächst, dass Sexkauf und Sexverkauf als gesellschaftliches Phänomen gesehen werden müssen, in dessen Kontext v.a. die Rechte von Sexarbeiter:innen gestärkt werden sollten. Als gemeinsames Ziel wurde benannt, dass Männer keine Gewalt ausüben und sich respektvoll verhalten.

Der Austausch ausschließlich unter Männern wurde überwiegend als hilfreich erlebt, da er den Zugang zum Thema erleichterte. Gleichzeitig wurden sich wiederholende Kontroversen um ein Sexkaufverbot teilweise als ermüdend beschrieben. Angeregt wurde mehr persönliche bzw. Online-Präsenz, um besser in einen konstruktiven Austausch zu kommen und Positionen weiterzuentwickeln. Statt Maximalforderungen brauche es die Suche nach einem emanzipatorischen Konsens bzw. einem „Common ground“, etwa in der Orientierung auf ein selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben.

Kontrovers diskutiert wurde die Frage, wie Prostitution bzw. Sexarbeit zu bewerten ist. Einzelne Teilnehmende kritisierten eine zu einfache Reduktion auf „Sexarbeit als Folge des Patriarchats“ und wiesen darauf hin, dass Moralisierungen schwierig seien. Andere vertraten die Position, dass es im Rahmen der bestehenden Prostitution keine „freie“ Prostitution gebe und beschrieben diese als „Fickfleischindustrie“, in der v.a. Frauen zur Ware würden.

Mehrfach wurde der Wunsch nach einer ausgewogenen Darstellung der verschiedenen Regulationsmodelle und Positionen geäußert. Dabei wurde angeregt, unterschiedliche Perspektiven stärker gegenüberzustellen und den offenen Diskurs zu fördern. Zugleich wurde deutlich, dass eine dezidierte Positionierung für oder gegen das Nordische Modell nicht für alle Teilnehmenden einfach war. Demgegenüber stand der Wunsch nach einer stärkeren Trennung von Empirie, Werten und politischen Konsequenzen sowie nach einer „neutralen“ Darstellung unterschiedlicher Sichtweisen.

Die Diskussion machte zugleich deutlich, wie stark bereits die Begriffe „Prostitution“ und „Sexarbeit“ Ambivalenz und Polarisierung ausdrücken. Zugleich wurde gefragt, welchen praktischen oder politischen Nutzen diese Kontroversen haben und wie stattdessen Männer besser erreicht werden können – etwa Freier oder Jungen und junge Männer im Rahmen von Jungen- und Männerarbeit.

Als wichtige Themen wurden unter anderem Manosphere, Pornografie auf OnlyFans, die Loverboy-Methode, „Sugar Daddies“ sowie die Frage genannt, welche Auswirkungen solche Entwicklungen auf Beziehungen, Familienbilder und gesellschaftliche Vorstellungen haben. Ebenfalls angesprochen wurden Transpersonen sowie Männer in der Prostitution als vulnerable Gruppen.

Mehrfach wurde hervorgehoben, dass Datenlage und Wissen insgesamt begrenzt seien. Etwas offen blieb für manche der Blick darauf, wer die Frauen in der Prostitution sind, wer ihnen Ausstiegsmöglichkeiten organisiert und finanziert und wie das Spannungsverhältnis zwischen Menschenwürde und Freiheit von Sexarbeiter:innen zu bewerten ist. Abschließend stand die Frage im Raum, ob die Gesellschaft sich vielleicht wieder stärker in Richtung einer „prostitutiven Gesellschaft“ entwickelt.