Neues Positionspapier: Sexualisierte Gewalt gegen Jungen und junge Männer sichtbar machen, verhindern und Betroffene unterstützen

Sexualisierte Gewalt gegen Jungen und junge Männer bleibt oft unsichtbar – nicht, weil sie selten ist, sondern weil Scham, stereotype Männlichkeitsbilder und fehlende Aufmerksamkeit Betroffene zum Schweigen bringen. Das neue Positionspapier Sexualisierte Gewalt gegen Jungen und junge Männer sichtbar machen, verhindern und Betroffene unterstützen des Bundesforums Männer fordert, männliche Betroffenheit konsequent anzuerkennen, Prävention geschlechterreflektiert weiterzuentwickeln und passgenaue Hilfsangebote auszubauen. Ziel ist ein wirksamer Gewaltschutz, der niemanden übersieht und allen von sexualisierter Gewalt Betroffenen gerecht wird.

Das Positionspapier wurde von der Mitgliederversammlung des Bundesforums Männer am 3. Juni 2026 beschlossen. Für männer.bw hat Gunter Neubauer in der Arbeitsgruppe zur Erarbeitung des Positionspapiers mitgewirkt und seine fachliche Expertise in die Entwicklung der Positionierung eingebracht.

Jetzt das Positionspapier lesen und mehr über die Empfehlungen für Politik, Fachpraxis und Zivilgesellschaft erfahren!

Bericht zur 16. Mitgliederversammlung des Bundesforums Männer

Die 16. ordentliche Mitgliederversammlung des Bundesforums Männer fand am 3. Juni 2026 in der Berliner Stadtmission statt. Zu Beginn waren 34 Delegierte aus 26 Mitgliedsorganisationen anwesend; im weiteren Verlauf kamen weitere Delegierte hinzu. Neben den Mitgliedern nahmen zahlreiche Gäste aus Mitgliedsorganisationen und Kooperationspartnern an der Versammlung teil, was den fachlichen Austausch zusätzlich bereicherte.

Ein besonderer Höhepunkt war die einstimmige Aufnahme von zwei neuen Mitgliedsorganisationen: des Verbands binationaler Familien und Partnerschaften (iaf) sowie des Sozialverbandes Deutschland (SoVD). Beide wurden herzlich im Bundesforum Männer willkommen geheißen. Besonders erfreulich fand ich, dass die neuen Mitgliedsorganisationen durch Frauen vertreten wurden. Das brachte frische Perspektiven in die Versammlung und sorgte aus meiner Sicht für eine wohltuende Erweiterung der bisher überwiegend männlich geprägten Runde.

Ich habe die Mitgliederversammlung als sehr gut organisiert, offen und konstruktiv erlebt. Die Berichte aus Vorstand und Geschäftsstelle sowie die Diskussionen über die zukünftigen fachpolitischen Schwerpunkte machten deutlich, dass sich das Bundesforum Männer kontinuierlich weiterentwickelt und seine Rolle als wichtige Stimme für Jungen-, Männer- und Väterpolitik weiter ausbaut.

Ein besonders interessanter Moment war für mich die Diskussion zum Positionspapier Sexualisierte Gewalt gegen Jungen und junge Männer sichtbar machen, verhindern und Betroffene unterstützen. In diesem Zusammenhang konnte ich die Anmerkung von Hans-Joachim Lenz einbringen, dass die gleichzeitige Beschreibung der Täterperspektive zu einer Schwächung der Opferperspektive führen kann. Ich habe mich gefreut, diesen fachlichen Impuls in die Diskussion einzubringen.

Ein weiterer wichtiger Beschluss betraf die Finanzierung des Verbands. Die Mitgliedsbeiträge werden erhöht und künftig jährlich automatisch an die Inflationsrate angepasst. Damit soll die finanzielle Grundlage des Bundesforum Männer langfristig gestärkt werden.

Mit Sorge habe ich die Diskussion über die Situation in den ostdeutschen Bundesländern verfolgt, in denen im Herbst Landtagswahlen stattfinden. In der Versammlung wurde die Befürchtung geäußert, dass sich mögliche politische Veränderungen auf die Förderung von Projekten auswirken könnten. Insbesondere wurde die Sorge formuliert, dass Vorhaben zu Vielfalt, Gleichstellung und Demokratiebildung unter einer möglichen Regierungsbeteiligung der AfD geringere Unterstützung oder Finanzierung erhalten könnten. Diese Diskussion machte deutlich, wie wichtig eine gute Vernetzung der Mitgliedsorganisationen und eine gemeinsame Interessenvertretung in den kommenden Jahren sein werden.

Die Diskussion hat bei mir auch die Frage aufgeworfen, wie weit die Solidarität innerhalb des Verbands künftig reichen sollte. Wenn Mitgliedsorganisationen in einzelnen Bundesländern aufgrund veränderter politischer Rahmenbedingungen ihre Finanzierung oder Handlungsmöglichkeiten verlieren, stellt sich aus meiner Sicht die Frage, ob Solidarität nicht auch ganz praktisch und finanziell gelebt werden müsste. Diese Überlegung halte ich für wichtig, um die Vielfalt und Handlungsfähigkeit des Netzwerks langfristig zu erhalten.

Besonders beeindruckt hat mich das große Engagement der Mitgliedsorganisationen sowie der respektvolle und lösungsorientierte Austausch zu den vielfältigen Themen und Projektgruppen. Insgesamt nehme ich viele positive Eindrücke, neue Kontakte und wertvolle Anregungen für die weitere Zusammenarbeit mit.

Kevin Koldewey

Preisregen für das Theaterstück „ich sehe was / was du nicht siehst“

Große Anerkennung für ein wichtiges Theaterprojekt: Das Theaterstück „ich sehe was / was du nicht siehst“ von Sergej Gößner, in dem es um sexualisierte Gewalt sowie die Perspektiven von Jungen und Männern als Betroffene geht, wurde seit seiner Uraufführung im September 2025 am Theater Aalen vielfach ausgezeichnet. Der Text erhielt unter anderem den Jugendstückepreis des Heidelberger Stückemarkts sowie den Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg. Auch die Aalener Inszenierung und das Ensemble wurden mehrfach ausgezeichnet.

männer.bw war in der Recherchephase Gesprächspartner für Autor Sergej Gößner und Regisseur Julius Max Ferstl. Umso mehr freuen wir uns über die große Resonanz, die dieses eindrucksvolle Stück inzwischen erfährt.

Wir hoffen, dass die Auszeichnungen dazu beitragen, dass das Stück an vielen weiteren Theatern gezeigt wird und die Aufmerksamkeit für sexualisierte Gewalt sowie für Jungen und Männer als Betroffene weiter wächst.

Getrennt lebende Väter: Unterstützung für mentale Gesundheit, Austausch und Teilhabe

Anlässlich der Internationalen Männergesundheitswoche 2026 – sie steht unter dem Motto „Einsamkeit ist ein Risiko – Gemeinschaft eine Ressource“ – rückt die Stadt Stuttgart die mentale Gesundheit getrennt lebender Väter in den Mittelpunkt. Trennung und Scheidung zählen zu den belastendsten Lebensereignissen im Erwachsenenleben: Viele Betroffene erleben emotionale Krisen, sozialen Rückzug und eine deutliche Verunsicherung in ihrer Vaterrolle.

Um dem zu begegnen, bietet die Stadt Stuttgart ein offenes Gruppenangebot für getrennt lebende Väter an. Es schafft einen geschützten Raum für Austausch, gegenseitige Unterstützung und Orientierung im Alltag mit Kindern. Im Fokus stehen mentale Stabilisierung, der Umgang mit Belastungen sowie Fragen der Teilhabe und der Beziehungsgestaltung zu den eigenen Kindern.

Das Angebot ist bewusst niedrigschwellig angelegt und soll den Zugang zu Unterstützung erleichtern. Es wird durch Fachkräfte der Stadt sowie aus einem Netzwerk psychologischer Beratungsstellen begleitet.

Die Treffen finden einmal monatlich im Seminarraum der Städtischen Familienbildung statt. Die Teilnahme ist kostenfrei und ohne Anmeldung möglich.

Weitere Informationen:
https://www.stuttgart.de/service/aktuelle-meldungen/2026/juni/getrennt-lebende-vaeter-unterstuetzen-angebot-unterstuetzt-mentale-gesundheit-austausch-und-teilhabe

Artikel „Nach einer Trennung weiter ein guter Vater sein – wie geht das?“ (Stuttgarter Zeitung 16.06.26)
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.gruppe-fuer-getrennt-lebende-vaeter-nach-einer-trennung-weiter-ein-guter-vater-sein-wie-geht-das.90647a32-8077-4449-a42d-aca8f916a5c5.html