Männerschuppen – Men’s Sheds

Über Orte der Begegnung und der Gesundheitsförderung

Von Gunter Neubauer und Thomas König

„Einsamkeit ist ein Risiko – Gemeinschaft eine Ressource“: So lautet das Motto der Internationalen Männergesundheitswoche 2026. In diesem Rahmen stand die online-Veranstaltung „Männerschuppen – Men’s Sheds: Orte der Begegnung und Gesundheitsförderung“.

Die sogenannten Men’s Sheds oder Männerschuppen sind im Zusammenhang von Einsamkeit und Gemeinschaft ein besonders interessantes und erfolgreiches Konzept. Ihren Ursprung haben sie in den 1990er-Jahren in Australien. Entstanden sind sie aus der Erkenntnis, dass insbesondere ältere Männer nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben häufig ihre bisherigen sozialen Kontakte verlieren und zudem von gesundheitsbezogenen Angeboten seltener erreicht werden als Frauen. In den Männerschuppen treffen sich Männer in ungezwungener Atmosphäre, arbeiten gemeinsam an Projekten, tauschen Erfahrungen aus und knüpfen neue soziale Beziehungen.

Damit wird ein Thema aufgegriffen, das für die Gesundheit und das Wohlbefinden vieler Männer von großer Bedeutung ist, denn soziale Isolation und Einsamkeit können die körperliche und psychische Gesundheit erheblich beeinträchtigen. Gleichzeitig zeigen viele Beispiele, wie wichtig und förderlich Begegnung, Teilhabe und gemeinschaftliches Engagement für ein gesundes Leben sind.

Männerschuppen – ein weltweit erfolgreiches Konzept

Was als lokale Initiative in Australien begann, hat sich inzwischen weltweit verbreitet. Heute gibt es mehrere tausend Men’s Sheds in Australien, Neuseeland, Irland, Großbritannien, Kanada bis hin zu den Cayman Islands und in vielen weiteren Ländern. Im Wesentlichen sind es Länder, die dem Commonwealth angehören. Mit ihrem Fokus auf soziale Interaktion und Gesundheitsförderung setzen sie dabei einen etwas anderen konzeptionellen Akzent als die vielerorts bekannten Repair Cafés. So gehört zu jedem Männerschuppen ein Angebot mit Zugang zu Gesundheitsthemen, und fast immer auch Erste-Hilfe-Kurse. Sie sind offen für alt und jung und strikt unpolitisch, bieten Hilfen zur Kommunikation, Konfliktbewältigung und zur Vernetzung. Auch in Deutschland wächst das Interesse an diesem Ansatz stetig, aktuell sind es acht Männerschuppen.

Neben anderen engagiert sich die Stiftung Männergesundheit seit mehreren Jahren für die Verbreitung und Weiterentwicklung von Männerschuppen in Deutschland. Dazu gehören Fachveranstaltungen, Vernetzungsaktivitäten, ein Beirat Männerschuppen sowie insgesamt die Unterstützung von Forschungs- und Praxisprojekten zur Männergesundheit.

Die Referenten des Abends – Lennart Semmler von der Landesvereinigung für Gesundheit und der Akademie für Sozialmedizin der Länder Niedersachsen und Bremen und Oliver Bock von der AG Epidemiologie des demographischen Wandels der Universität Bremen gaben Einblicke in das Forschungs- und Praxisprojekt „MARS – Männerschuppen als Orte der Prävention und Gesundheitsförderung für Männer ab 50 im kommunalen Setting“. Sie stellten vor, wie Männerschuppen entstehen können, welche Erfolgsfaktoren für ihre nachhaltige Etablierung wichtig sind und welche Erkenntnisse und Empfehlungen der neu entwickelte Leitfaden für Kommunen und Initiativen bereithält. Die Rolle von Beteiligung und lokalen Netzwerken wurde ebenso diskutiert. Der interessante Vortrag brachte viele neue Anregungen für die Teilnehmenden, einem guten Austausch können hoffentlich weitere Vernetzungen folgen.

Die Abendveranstaltung setzte damit in bewährter Weise die 2021 gestartete Online-Vortragsreihe „Männer B-W – Männer- und Väterthemen in Baden-Württemberg“ mit der inzwischen dreizehnten Veranstaltung fort. Die Kooperationspartner der Veranstaltungsreihe waren dieses Mal die Abteilung für Chancengleichheit der Landeshauptstadt Stuttgart, männer.bw – das Forum Männer und Väter in Baden-Württemberg – sowie die Akademie und die Männerarbeit der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Weiterführende Links

Sendung des NDR über Männerschuppen vom 17. Juli 2026:
https://www.youtube.com/watch?v=rQPbkyLu5Qg

Beitrag zuerst erschienen auf www.akademie-rs.de

GEMEINSAM für Geschlechtergerechtigkeit – unsere Kampagne startet

Zusammen mit weiteren Frauen- und Männerorganisationen ist männer.bw an der Vorbereitung einer neuen Kampagne für eine geschlechtergerechte Gesellschaft beteiligt. Auf betterplace.org ist dazu nun ein Aufruf veröffentlicht worden, da für die Umsetzung noch Finanzierungsbedarf besteht.

👉 Projekt: „GEMEINSAM für eine geschlechtergerechte Gesellschaft“
Aufruf auf betterplace.org

Die Kampagne wurde auf Initiative des Landesfrauenrats gemeinsam entwickelt. männer.bw war von Beginn an aktiv in die Vorbereitung eingebunden. Frauen- und Männerorganisationen treten dabei erstmals in dieser Form bewusst und sichtbar als Partner auf. Die Zusammenarbeit hat sich bislang als sehr konstruktiv und tragfähig erwiesen.

Dieses gemeinsame Vorgehen ist neu und zugleich ein wichtiges Signal: Geschlechtergerechtigkeit wird nicht getrennt verhandelt, sondern gemeinsam gestaltet und getragen.

Zum Start der Kampagne geht es vor allem darum, den Aufruf bekannt zu machen und weiterzutragen. Jede Verbreitung unterstützt die Sichtbarkeit und Wirksamkeit der Initiative – vielen Dank dafür!

Neues Positionspapier: Sexualisierte Gewalt gegen Jungen und junge Männer sichtbar machen, verhindern und Betroffene unterstützen

Sexualisierte Gewalt gegen Jungen und junge Männer bleibt oft unsichtbar – nicht, weil sie selten ist, sondern weil Scham, stereotype Männlichkeitsbilder und fehlende Aufmerksamkeit Betroffene zum Schweigen bringen. Das neue Positionspapier Sexualisierte Gewalt gegen Jungen und junge Männer sichtbar machen, verhindern und Betroffene unterstützen des Bundesforums Männer fordert, männliche Betroffenheit konsequent anzuerkennen, Prävention geschlechterreflektiert weiterzuentwickeln und passgenaue Hilfsangebote auszubauen. Ziel ist ein wirksamer Gewaltschutz, der niemanden übersieht und allen von sexualisierter Gewalt Betroffenen gerecht wird.

Das Positionspapier wurde von der Mitgliederversammlung des Bundesforums Männer am 3. Juni 2026 beschlossen. Für männer.bw hat Gunter Neubauer in der Arbeitsgruppe zur Erarbeitung des Positionspapiers mitgewirkt und seine fachliche Expertise in die Entwicklung der Positionierung eingebracht.

Jetzt das Positionspapier lesen und mehr über die Empfehlungen für Politik, Fachpraxis und Zivilgesellschaft erfahren!

Bericht zur 16. Mitgliederversammlung des Bundesforums Männer

Die 16. ordentliche Mitgliederversammlung des Bundesforums Männer fand am 3. Juni 2026 in der Berliner Stadtmission statt. Zu Beginn waren 34 Delegierte aus 26 Mitgliedsorganisationen anwesend; im weiteren Verlauf kamen weitere Delegierte hinzu. Neben den Mitgliedern nahmen zahlreiche Gäste aus Mitgliedsorganisationen und Kooperationspartnern an der Versammlung teil, was den fachlichen Austausch zusätzlich bereicherte.

Ein besonderer Höhepunkt war die einstimmige Aufnahme von zwei neuen Mitgliedsorganisationen: des Verbands binationaler Familien und Partnerschaften (iaf) sowie des Sozialverbandes Deutschland (SoVD). Beide wurden herzlich im Bundesforum Männer willkommen geheißen. Besonders erfreulich fand ich, dass die neuen Mitgliedsorganisationen durch Frauen vertreten wurden. Das brachte frische Perspektiven in die Versammlung und sorgte aus meiner Sicht für eine wohltuende Erweiterung der bisher überwiegend männlich geprägten Runde.

Ich habe die Mitgliederversammlung als sehr gut organisiert, offen und konstruktiv erlebt. Die Berichte aus Vorstand und Geschäftsstelle sowie die Diskussionen über die zukünftigen fachpolitischen Schwerpunkte machten deutlich, dass sich das Bundesforum Männer kontinuierlich weiterentwickelt und seine Rolle als wichtige Stimme für Jungen-, Männer- und Väterpolitik weiter ausbaut.

Ein besonders interessanter Moment war für mich die Diskussion zum Positionspapier Sexualisierte Gewalt gegen Jungen und junge Männer sichtbar machen, verhindern und Betroffene unterstützen. In diesem Zusammenhang konnte ich die Anmerkung von Hans-Joachim Lenz einbringen, dass die gleichzeitige Beschreibung der Täterperspektive zu einer Schwächung der Opferperspektive führen kann. Ich habe mich gefreut, diesen fachlichen Impuls in die Diskussion einzubringen.

Ein weiterer wichtiger Beschluss betraf die Finanzierung des Verbands. Die Mitgliedsbeiträge werden erhöht und künftig jährlich automatisch an die Inflationsrate angepasst. Damit soll die finanzielle Grundlage des Bundesforum Männer langfristig gestärkt werden.

Mit Sorge habe ich die Diskussion über die Situation in den ostdeutschen Bundesländern verfolgt, in denen im Herbst Landtagswahlen stattfinden. In der Versammlung wurde die Befürchtung geäußert, dass sich mögliche politische Veränderungen auf die Förderung von Projekten auswirken könnten. Insbesondere wurde die Sorge formuliert, dass Vorhaben zu Vielfalt, Gleichstellung und Demokratiebildung unter einer möglichen Regierungsbeteiligung der AfD geringere Unterstützung oder Finanzierung erhalten könnten. Diese Diskussion machte deutlich, wie wichtig eine gute Vernetzung der Mitgliedsorganisationen und eine gemeinsame Interessenvertretung in den kommenden Jahren sein werden.

Die Diskussion hat bei mir auch die Frage aufgeworfen, wie weit die Solidarität innerhalb des Verbands künftig reichen sollte. Wenn Mitgliedsorganisationen in einzelnen Bundesländern aufgrund veränderter politischer Rahmenbedingungen ihre Finanzierung oder Handlungsmöglichkeiten verlieren, stellt sich aus meiner Sicht die Frage, ob Solidarität nicht auch ganz praktisch und finanziell gelebt werden müsste. Diese Überlegung halte ich für wichtig, um die Vielfalt und Handlungsfähigkeit des Netzwerks langfristig zu erhalten.

Besonders beeindruckt hat mich das große Engagement der Mitgliedsorganisationen sowie der respektvolle und lösungsorientierte Austausch zu den vielfältigen Themen und Projektgruppen. Insgesamt nehme ich viele positive Eindrücke, neue Kontakte und wertvolle Anregungen für die weitere Zusammenarbeit mit.

Kevin Koldewey

Preisregen für das Theaterstück „ich sehe was / was du nicht siehst“

Große Anerkennung für ein wichtiges Theaterprojekt: Das Theaterstück „ich sehe was / was du nicht siehst“ von Sergej Gößner, in dem es um sexualisierte Gewalt sowie die Perspektiven von Jungen und Männern als Betroffene geht, wurde seit seiner Uraufführung im September 2025 am Theater Aalen vielfach ausgezeichnet. Der Text erhielt unter anderem den Jugendstückepreis des Heidelberger Stückemarkts sowie den Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg. Auch die Aalener Inszenierung und das Ensemble wurden mehrfach ausgezeichnet.

männer.bw war in der Recherchephase Gesprächspartner für Autor Sergej Gößner und Regisseur Julius Max Ferstl. Umso mehr freuen wir uns über die große Resonanz, die dieses eindrucksvolle Stück inzwischen erfährt.

Wir hoffen, dass die Auszeichnungen dazu beitragen, dass das Stück an vielen weiteren Theatern gezeigt wird und die Aufmerksamkeit für sexualisierte Gewalt sowie für Jungen und Männer als Betroffene weiter wächst.

Getrennt lebende Väter: Unterstützung für mentale Gesundheit, Austausch und Teilhabe

Anlässlich der Internationalen Männergesundheitswoche 2026 – sie steht unter dem Motto „Einsamkeit ist ein Risiko – Gemeinschaft eine Ressource“ – rückt die Stadt Stuttgart die mentale Gesundheit getrennt lebender Väter in den Mittelpunkt. Trennung und Scheidung zählen zu den belastendsten Lebensereignissen im Erwachsenenleben: Viele Betroffene erleben emotionale Krisen, sozialen Rückzug und eine deutliche Verunsicherung in ihrer Vaterrolle.

Um dem zu begegnen, bietet die Stadt Stuttgart ein offenes Gruppenangebot für getrennt lebende Väter an. Es schafft einen geschützten Raum für Austausch, gegenseitige Unterstützung und Orientierung im Alltag mit Kindern. Im Fokus stehen mentale Stabilisierung, der Umgang mit Belastungen sowie Fragen der Teilhabe und der Beziehungsgestaltung zu den eigenen Kindern.

Das Angebot ist bewusst niedrigschwellig angelegt und soll den Zugang zu Unterstützung erleichtern. Es wird durch Fachkräfte der Stadt sowie aus einem Netzwerk psychologischer Beratungsstellen begleitet.

Die Treffen finden einmal monatlich im Seminarraum der Städtischen Familienbildung statt. Die Teilnahme ist kostenfrei und ohne Anmeldung möglich.

Weitere Informationen:
https://www.stuttgart.de/service/aktuelle-meldungen/2026/juni/getrennt-lebende-vaeter-unterstuetzen-angebot-unterstuetzt-mentale-gesundheit-austausch-und-teilhabe

Artikel „Nach einer Trennung weiter ein guter Vater sein – wie geht das?“ (Stuttgarter Zeitung 16.06.26)
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.gruppe-fuer-getrennt-lebende-vaeter-nach-einer-trennung-weiter-ein-guter-vater-sein-wie-geht-das.90647a32-8077-4449-a42d-aca8f916a5c5.html

Stellungnahme zum Koalitionsvertrag „Aus Verantwortung fürs Land“

In unserer Stellungnahme zum Koalitionsvertrag für Baden-Württemberg kritisieren wir, dass Männer und Väter trotz gleichstellungspolitischer Impulse keine eigenständige Berücksichtigung finden. Die Stellungnahme zeigt zentrale Leerstellen auf – von Vaterschaft und Gewaltschutz über Gesundheit bis hin zur strukturellen Verankerung einer modernen Männer- und Väterpolitik – und fordert eine Gleichstellungspolitik, die die unterschiedlichen Lebenslagen und Perspektiven aller Geschlechtergruppen systematisch berücksichtigt.

Studienreise: Nachhaltige Männlichkeit im Kontext sozial-ökologischer Transformation (Südtirol, 19. – 22. April 2026)

„Leben bereichern, Horizonte öffnen“ – das Erasmus+-Leitmotiv spiegelt die Erfahrungen auf dieser Studienreise, einer Kooperation zwischen vhs-Verband und männer.bw, sehr treffend wider. Zwölf Teilnehmende waren von Meran aus unterwegs – mit Stationen im Ultental, in Bozen und Brixen.

Im Zentrum stand die Frage, was nachhaltige Männlichkeit ausmacht und wie sie konkret gelebt werden kann. Der Austausch mit Akteur:innen der Männerarbeit sowie aus Bildung und Zivilgesellschaft eröffnete differenzierte Perspektiven und zeigte, wie eng ökologische, soziale und wirtschaftliche Fragen miteinander verwoben sind. Dabei geht es auch um Selbstreflexion, emotionale Kompetenz und die Übernahme von Verantwortung für die eigenen Wirkungen auf Mitmenschen und Umwelt.

Die Exkursionen und Praxisbeispiele vor Ort – von nachhaltiger Landwirtschaft über soziale Projekte und Genossenschaften bis hin zu innovativen Energielösungen – machten deutlich, wie Transformation konkret gestaltet werden kann. Themen wie Klimawandel und nachhaltiger Tourismus wurden ebenso verhandelt wie Fragen regionaler Wertschöpfung und Gemeinwohlorientierung. Immer wieder zeigte sich, wie wichtig lokale Netzwerke und aktive Beteiligung für tragfähige Ansätze sind.

Ein Besuch im Meraner Frauenmuseum ergänzte die fachlichen Einblicke um eine geschlechterhistorische Perspektive und setzte wichtige Impulse für die Reflexion von Rollenbildern, gesellschaftlichen Entwicklungen und ihren politisch-kulturellen Rahmenbedingungen.

In gemeinsamen Workshops wurden die vielfältigen Eindrücke gebündelt und auf die eigene Bildungsarbeit übertragen. Dabei entstanden sowohl praktische Anknüpfungspunkte als auch weiterführende Fragen für die Erwachsenenbildung. Die Studienreise hat damit Impulse gesetzt, die über die gemeinsamen Tage hinaus wirken können – fachlich, persönlich und für die Praxis vor Ort.

„Wir haben auf der Studienreise nicht nur Aspekte der Nachhaltigkeit, sondern auch diverse Anregungen für ein gemeinschaftliches Miteinander, den Stiftungs- und Genossenschaftsgedanken und ein tolles Präventionsprojekt kennengelernt. Die Zusammenstellung der Orte, die Begegnungen mit den Menschen und deren Projekten war klasse und haben für die Thematik immer wieder neue Aspekte aufgezeigt. Super, vielen Dank – dieses Seminar wirkt nachhaltig!“ (ein Teilnehmer)

männer.bw fördert zwei Filmprojekte mit jeweils 500 €

Mit Hemmungen und Über_Gewicht unterstützt männer.bw zwei Filmprojekte von Nachwuchs-Filmemachern, die sich differenziert mit oft tabuisierten Aspekten von Männlichkeit auseinandersetzen – und zugleich Wege der Reflexion, Verantwortung und Veränderung aufzeigen.

HEMMUNGEN. Ein Dokumentarfilm über Pädophilie von Lavi Siemens
Der dokumentarische Kurzfilm Hemmungen (Filmakademie Baden-Württemberg, Ludwigsburg) widmet sich dem gesellschaftlich strak stigmatisierten Thema Pädophilie. Im Zentrum steht ein junger Mann, der nicht straffällig geworden ist und sich bewusst in Therapie begibt, um verantwortungsvoll mit seiner Disposition umzugehen. In einem reduzierten Setting – ausschließlich im Therapieraum – entsteht ein intensiver, authentischer Dialogprozess. Der Film macht deutlich, wie wichtig es ist, zwischen Disposition und Handlung zu unterscheiden, und zeigt, dass Prävention dort ansetzt, wo Betroffene nicht einfach ausgegrenzt werden, sondern adäquate Unterstützung finden.

ÜBER_GEWICHT. Ein experimenteller Kurzfilm über männliche Körperbilder von Leon Zorn
Der experimentelle Kurzfilm Über_Gewicht  (FH Salzburg | MultiMediaArt) beleuchtet männliche Körperbilder und die oft verborgenen inneren Konflikte zwischen Scham, Selbstoptimierung und gesellschaftlichem Druck. In einer poetisch-visuellen Form erzählt der Film von Körperentfremdung und dem Versuch, einen versöhnlichen Umgang mit sich selbst zu finden – ein Themenfeld, über das viele Männer selten oder nur in geschützen Kontexten sprechen können.

Beide Projekte greifen schwierige, gesellschaftlich relevante Themen auf und machen zugleich Bewältigungsressourcen und positive Entwicklungsmöglichkeiten sichtbar. Sie befinden sich aktuell in der Produktion und werden in den kommenden Monaten auf Festivals, im Kino sowie in Bildungs- und Diskussionsformaten zu sehen sein.

männer.bw unterstützt die Filme nicht nur finanziell, sondern auch durch Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit – als Beitrag zu einer differenzierten, offenen Auseinandersetzung mit Männlichkeiten jenseits stereotyper Zuschreibungen.

Abschluss des Onlinekurses „Prostitution – eine Arbeit wie jede andere?“

Die Abschlussauswertung des Onlinekurses „Prostitution – eine Arbeit wie jede andere?“ der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg fand am 13.04.2026 statt. Insgesamt hatten sich 17 Männer für den von Gunter Neubauer (männer.bw) und Karsten Kassner (Bundesforum Männer) begleiteten Kurs angemeldet. Im Mittelpunkt der Abschlussrunde standen die Reflexion persönlicher Eindrücke zum Thema Prostitution, die Erfahrungen im gemeinsamen Lern- und Diskussionsprozess sowie die Frage nach fachlichen und politischen Konsequenzen für Männerarbeit, Männerorganisationen und angrenzende Arbeitsfelder. Die Diskussionen machten deutlich, dass das Thema von starken Ambivalenzen, unterschiedlichen normativen Perspektiven und einem hohen Bedarf an weiterführendem Austausch geprägt ist.

Angesprochen wurde zunächst, dass Sexkauf und Sexverkauf als gesellschaftliches Phänomen gesehen werden müssen, in dessen Kontext v.a. die Rechte von Sexarbeiter:innen gestärkt werden sollten. Als gemeinsames Ziel wurde benannt, dass Männer keine Gewalt ausüben und sich respektvoll verhalten.

Der Austausch ausschließlich unter Männern wurde überwiegend als hilfreich erlebt, da er den Zugang zum Thema erleichterte. Gleichzeitig wurden sich wiederholende Kontroversen um ein Sexkaufverbot teilweise als ermüdend beschrieben. Angeregt wurde mehr persönliche bzw. Online-Präsenz, um besser in einen konstruktiven Austausch zu kommen und Positionen weiterzuentwickeln. Statt Maximalforderungen brauche es die Suche nach einem emanzipatorischen Konsens bzw. einem „Common ground“, etwa in der Orientierung auf ein selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben.

Kontrovers diskutiert wurde die Frage, wie Prostitution bzw. Sexarbeit zu bewerten ist. Einzelne Teilnehmende kritisierten eine zu einfache Reduktion auf „Sexarbeit als Folge des Patriarchats“ und wiesen darauf hin, dass Moralisierungen schwierig seien. Andere vertraten die Position, dass es im Rahmen der bestehenden Prostitution keine „freie“ Prostitution gebe und beschrieben diese als „Fickfleischindustrie“, in der v.a. Frauen zur Ware würden.

Mehrfach wurde der Wunsch nach einer ausgewogenen Darstellung der verschiedenen Regulationsmodelle und Positionen geäußert. Dabei wurde angeregt, unterschiedliche Perspektiven stärker gegenüberzustellen und den offenen Diskurs zu fördern. Zugleich wurde deutlich, dass eine dezidierte Positionierung für oder gegen das Nordische Modell nicht für alle Teilnehmenden einfach war. Demgegenüber stand der Wunsch nach einer stärkeren Trennung von Empirie, Werten und politischen Konsequenzen sowie nach einer „neutralen“ Darstellung unterschiedlicher Sichtweisen.

Die Diskussion machte zugleich deutlich, wie stark bereits die Begriffe „Prostitution“ und „Sexarbeit“ Ambivalenz und Polarisierung ausdrücken. Zugleich wurde gefragt, welchen praktischen oder politischen Nutzen diese Kontroversen haben und wie stattdessen Männer besser erreicht werden können – etwa Freier oder Jungen und junge Männer im Rahmen von Jungen- und Männerarbeit.

Als wichtige Themen wurden unter anderem Manosphere, Pornografie auf OnlyFans, die Loverboy-Methode, „Sugar Daddies“ sowie die Frage genannt, welche Auswirkungen solche Entwicklungen auf Beziehungen, Familienbilder und gesellschaftliche Vorstellungen haben. Ebenfalls angesprochen wurden Transpersonen sowie Männer in der Prostitution als vulnerable Gruppen.

Mehrfach wurde hervorgehoben, dass Datenlage und Wissen insgesamt begrenzt seien. Etwas offen blieb für manche der Blick darauf, wer die Frauen in der Prostitution sind, wer ihnen Ausstiegsmöglichkeiten organisiert und finanziert und wie das Spannungsverhältnis zwischen Menschenwürde und Freiheit von Sexarbeiter:innen zu bewerten ist. Abschließend stand die Frage im Raum, ob die Gesellschaft sich vielleicht wieder stärker in Richtung einer „prostitutiven Gesellschaft“ entwickelt.