Online-Vortrag: 30 Jahre Atoll e.V. – Selbstbestimmung und Gewalterfahrungen aus der Perspektive von Männern mit Behinderungserfahrung
Unsere Mitgliedsorganisation Atoll e.V. in Heilbronn feiert 2026 ihr 30jähriges Jubiläum. Der Verein eröffnet Menschen mit körperlichen Einschränkungen die Möglichkeit, ihr Leben selbstbestimmt und aktiv zu gestalten – in Wohngemeinschaften, einer Wohnung oder im eigenen Wohnraum. Mit passgenauer Unterstützung ermöglicht Atoll seinen Kunden, aktiv am städtischen Leben teilzuhaben, eigene Interessen zu verfolgen und neue Kontakte zu knüpfen. Teilhabe, Selbstbestimmung und aktive Mitgestaltung sind keine Schlagworte, sondern gelebte Realität.
André Ettl als Geschäftsführer und Chris Eger aus dem Vorstand von Atoll, beide seit vielen Jahren im Verein aktiv, werden Konzept und Geschichte vorstellen und dabei insbesondere auf die Erfahrungen von Männern eingehen. Im Mittelpunkt steht der Weg von einer oft durch Eltern, Heim und Pflege geprägten Abhängigkeit hin zu Autonomie, Selbstbestimmung und Mobilität – vom Hilfeempfänger zum Auftraggeber, von Pflege als Abhängigkeit zu Assistenz als selbstbestimmter Dienstleistung und zu eigenverantwortlich organisierten Lebensräumen.
Dabei spielen auch strukturelle Gewalt und andere Gewaltformen eine Rolle. Insbesondere die Abhängigkeit vom Pflege- und Assistenzpersonal kann Grenzverletzungen begünstigen. Atoll hat seine Bewohner in den vergangenen Jahren gezielt empowert: Sie sind im Vorstand vertreten und an der Auswahl und Einstellung von Assistenzkräften beteiligt. So werden Abhängigkeiten reduziert und die eigene Position gestärkt.
Die Veranstaltung nimmt zudem die Frage in den Blick, was Behinderung mit Männlichkeit und Mannsein macht: Wie wirken gesellschaftliche Vorstellungen von Stärke, Unabhängigkeit und Leistungsfähigkeit auf Männer mit Behinderung? Und welche Bedeutung haben Selbstbestimmung, Anerkennung und „Enthinderung“ für ein selbstbestimmtes Leben?