Gleichstellung gemeinsam gestalten – auch Männer einbeziehen
Baden-Württemberg hat mit seiner neuen Gleichstellungsstrategie einen verbindenden Rahmen für Gleichstellungspolitik geschaffen. Wir begrüßen diesen Schritt ausdrücklich – und setzen uns dafür ein, dass Männer und Väter als aktive Akteure sichtbar werden. Von Vaterschaft und Sorgearbeit über Arbeit und Bildung bis hin zu Gesundheit und Gewaltprävention: Gleichstellung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die vielfältige Perspektiven braucht. Unser Ziel: Geschlechtergerechtigkeit gemeinsam weiterentwickeln – im Dialog zwischen Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft.
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Petition zum Gewalthilfegesetz
| Das Bundesforum Männer weist in seinem aktuellen Newsletter BFM Intern 04/2025 auf eine kürzlich gestartete Petition zum Gewalthilfegesetz hin. |
| „Das Gewalthilfegesetz (GewHG) richtet sich derzeit an gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder. Der Väteraufbruch für Kinder e. V. (VAfK) hat gemeinsam mit weiteren Akteuren eine Petition gestartet, die fordert, den Geltungsbereich auf alle Kinder und alle Geschlechter auszuweiten, sodass Unterstützungsangebote unabhängig von Geschlecht oder familiärer Situation genutzt werden können.“ |
| Zur Petition |
Was ist das Problem?
Das aktuelle Gewalthilfegesetz definiert staatlichen Schutz als Schutz für „Frauen und ihre Kinder“. Dadurch werden viele Gewaltbetroffene ausgeschlossen: Kinder, die nicht bei ihren Müttern leben, sowie Männer, queere und nicht-binäre Personen. Diese Ungleichbehandlung verstößt gegen den Gleichheitssatz des Grundgesetzes und widerspricht auch der EU-Richtlinie 2024/1385, die einen geschlechtsneutralen Schutz aller Gewaltopfer verlangt.
Die politische Lage
Trotz erheblicher verfassungsrechtlicher Bedenken wurde das Gesetz im Januar 2025 verabschiedet und bislang nicht nachgebessert. Auch der Koalitionsvertrag 2025 enthält keine konkrete Aussage zur Reparatur. Ohne Bewegung von CDU/CSU und SPD gibt es derzeit keine parlamentarische Mehrheit für ein diskriminierungsfreies Gewalthilfegesetz.
Zielrichtung der Petition
Bereits ein Viertel aller Bundestagsabgeordneten kann eine abstrakte Normenkontrolle beim Bundesverfassungsgericht beantragen. Dieses könnte verbindlich klären, ob das Gewalthilfegesetz in seiner jetzigen Form mit dem Grundgesetz vereinbar ist, und gegebenenfalls eine Korrektur herbeiführen. Die Petition fordert die Abgeordneten des 21. deutschen Bundestags auf, diesen Schritt unverzüglich einzuleiten.
Die wichtigsten Argumente
1. Schutz für alle Betroffenen häuslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt gewährleisten – insbesondere bestehende Schutzlücken bei Kindern schließen
2. EU-Rechtskonformität herstellen und aufwändige Doppelreformen vermeiden
3. Vertrauen in den Rechtsstaat stärken und gesellschaftliche Spaltung verringern
Die Kernbotschaft
Gewalt kennt kein Geschlecht. Ein Rechtsstaat darf Menschen weder aufgrund ihres Geschlechts noch ihrer Familienkonstellation von Gewalthilfe ausschließen – und keine Opfer zweiter Klasse schaffen.
Väter gesucht! – Forschungsprojekt „Väter und Teenager“ lädt zur Teilnahme ein
Das Forschungsprojekt „Vaterschaft in Zeiten des Wandels“ sucht engagierte Väter, die bereit sind, über ihr Familienleben, ihre Erfahrungen und ihren Alltag mit jugendlichen Kindern zu sprechen. Ziel des Projekts ist es, ein vielfältiges und realistisches Bild davon zu gewinnen, wie Vaterschaft heute gelebt wird. Wie begleiten Väter ihre Teenager im Alltag und in gesellschaftlichen Fragen?

Für Interviews besonders willkommen sind Väter aus folgenden Lebenssituationen:
- Väter mit Migrationshintergrund
- Väter in Patchwork-Konstellationen, getrennt lebende oder alleinerziehende Väter
- Gleichgeschlechtlich liebende Väter
- Väter queerer jugendlicher Kinder
- Väter aus den neuen Bundesländern
Alle Interviews finden online statt – unkompliziert, flexibel und ortsunabhängig.
Wer Interesse hat oder jemanden kennt, der passen könnte, findet alle Informationen direkt auf der Projekthomepage:
https://elternundfamilien.de/vaeter-und-teenager/
Das Forschungsteam freut sich über jede Unterstützung!
Projektleitung: Prof. Dr. Johanna Possinger, EH Ludwigsburg
Kooperation: Deutsches Jugendinstitut München
Stellungnahme zur Gleichstellungsstrategie des Landes Baden-Württemberg
Gleichstellungspolitik muss alle Geschlechter einbeziehen
Die ressortübergreifende Gleichstellungsstrategie des Landes Baden-Württemberg ist ein wichtiger Schritt, um Gleichstellung als politische Querschnittsaufgabe zu verankern. männer.bw begrüßt das Engagement des Landes, weist aber darauf hin, dass Männer und Väter bislang kaum als eigenständige Zielgruppe benannt werden. Ihre spezifischen Herausforderungen – von Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit über Bildung und Gesundheit bis hin zu Gewaltprävention – werden nur am Rande behandelt.
Unsere Kernforderungen:
- Explizite Einbeziehung von Männern und Vätern als Zielgruppe der Gleichstellungspolitik
- Vätergerechte Familien- und Vereinbarkeitsangebote
- Geschlechtersensible Gesundheitsförderung und Gewaltprävention, die männliche Bedarfe sichtbar macht
- Stärkung kommunaler Ansätze sowie konkrete Maßnahmen mit Zielsetzungen und Indikatoren
- Einbindung von Männer- und Vätervertretungen in Umsetzung und Evaluation
Eine konsequent geschlechtergerechte Gleichstellungspolitik kommt allen Menschen zugute – unabhängig von Geschlecht, Identität oder Lebensweise. Wenn alle Geschlechtergruppen gesehen, anerkannt und aktiv einbezogen werden, kann Gleichstellung gelingen.
Stellungnahme zum Landesaktionsplan zur Umsetzung der Istanbul-Konvention in Baden-Württemberg 2.0
Gewalt betrifft alle – Schutz und Hilfe auch
männer.bw begrüßt den Landesaktionsplan zur Umsetzung der Istanbul-Konvention in Baden-Württemberg 2.0 als wichtigen Schritt für den Schutz von Gewaltbetroffenen und die Förderung von Gleichstellung. Die Konvention verpflichtet zu einem inklusiven Ansatz: Schutz und Unterstützung sollen allen Menschen offenstehen – unabhängig von Geschlecht, Identität oder Herkunft.
Gewalt trifft Frauen, Männer, Kinder sowie Trans-, Inter- und nicht-binäre Personen. Bestehende Hilfsstrukturen unterstützen vor allem Frauen, andere Betroffene bleiben unterversorgt. männer.bw fordert deshalb eine Weiterentwicklung des Aktionsplans hin zu einem umfassenden, geschlechtergerechten und bedarfsorientierten Gewaltschutz.
Unsere Kernforderungen:
- flächendeckender Ausbau von Schutz- und Beratungsangeboten für alle Betroffenen
- Einrichtung einer Landeskoordinierungsstelle für Gewaltprävention und Geschlechtergerechtigkeit
- stärkere Prävention, Bildung und öffentliche Sensibilisierung
- Verbesserung der Forschung und Datenlage zu männlichen und TIN-Betroffenen
- geschlechtsunabhängige Weiterentwicklung des Gewalthilfegesetzes
Jede gewaltbetroffene Person soll Schutz, Anerkennung und Unterstützung erhalten. Nur so kann das Leitbild der Istanbul-Konvention, ein Leben frei von Gewalt für alle, Wirklichkeit werden.
Verabschiedung Dietmar Lipkow
Bei der Mitgliederversammlung am 13. November 2025 wurde der Gründungsvorsitzende Dietmar Lipkow verabschiedet. Im Namen des Vorsztands und des Verbands männer.bw dankte ihm sein Vorstandskollege Gunter Neubauer für die geleistete Aufbauarbeit.
Liebe Mitglieder, liebe Kolleginnen und Kollegen,
heute verabschieden wir einen Menschen, Kollegen und Freund, dessen Engagement und Wirken die Männer‑, Väter‑ und Jungenarbeit in Baden‑Württemberg stark mitgeprägt und nachhaltig weiterentwickelt hat: Dietmar Lipkow.
Von den Anfängen bis heute
Schon in den 1990er Jahren engagierte sich Dietmar im Stuttgarter Jungengesundheitsprojekt, da sind wir uns erstmals begegnet. Zu dieser Zeit war die Jungenarbeit in der Region noch kaum organisiert. Dietmar sah Potenzial – gerade auch für das Thema Jungengesundheit, gestaltete mit, baute Strukturen auf. Er war – als einer der beiden Sprecher – maßgeblich daran beteiligt, die Landesarbeitsgemeinschaft Jungenarbeit nicht als bloßen Arbeitskreis, sondern als tatkräftige und handlungsfähige AG zu formen. Ich erinnere mich da an zahlreiche Kontakt- und Lobbygespräche, an einen Fachtag „Fremde Jungs?“, das Thema Männer als Erzieher u.v.m.
In den Jahren danach öffnete sich sein Einsatzfeld. Nach einer Station in der kommunalen offenen Jugendarbeit wechselte er in die Familienbildungslandschaft, wo er neue Impulse setzen konnte. Dietmar wirkte lange als Geschäftsführer der LEF, der Ev. Landesarbeitsgemeinschaft der Familienbildungsstätten in Württemberg, war Sprecher des landesweiten Netzwerks Familienbildung und engagierte sich im Landesfamilienrat.
Projekte wie „Väter in der Familienbildung“ oder „Männer – Bildung – Männerbildung“ (zusammen mit dem vhs-Verband) zeigten seine Vision: Es geht um das ganze Spektrum männlicher Lebenslagen – Jungenarbeit, Vater sein, Männlichkeit reflektieren, Bildung und Teilhabe ermöglichen. So war es Dietmar, der immer wieder anmahnte, die Väter in der Familienbildung mitzudenken.
Entstanden aus der Online-Vortragsreihe „Väter B-W – Väterthemen in Baden-Württemberg“ war Dietmar von Anfang an auch im Kreis der Initiatoren unseres Verbands männer.bw dabei. Als Gründungsvorsitzender führte er den Verein, baute Netzwerke auf und verband vielfältige Anliegen und Interessen: Männer und Gleichstellung, das Projekt „Rechte Männer – rechte Männlichkeiten“, Themen wie Care-Arbeit und Vaterschaft – all das wurde unter dem Dach von männer.bw sichtbar und gehaltvoll bearbeitet.
Wofür wir Dietmar danken
- Für seinen Mut, neue Wege zu gehen: Männerpolitik und Väterbildung sind leider nicht gerade zentrale gesellschaftliche und politische Themen, aber Dietmar hat sie stets mitgedacht und mitgestaltet.
- Für seine Hartnäckigkeit und seinen Weitblick: Strukturen zu schaffen, Netzwerke zu knüpfen, Angebote in die Region, ins Land zu tragen, Verständigung zwischen Fachkräften, Öffentlichkeit und Politik herzustellen.
- Für seine Haltung: Geschlechterdiskurse um die Perspektiven und Lebenslagen von Männern und Vätern zu erweitern – mal kritisch, mal empathisch, oft beides zugleich.
- Für seine Anregungen und Impulse: für die Kolleginnen und Kollegen, die mit ihm gearbeitet und von seiner Arbeit profitiert haben, und dabei nicht zuletzt auch für uns im Vorstand von männer.bw.
Ausblick und Wünsche
Lieber Dietmar, mit deinem Rückzug als Vorsitzender schließen sich nicht die Türen – im Gegenteil: Deine Arbeit bildet ein starkes Fundament. Wir hoffen, dass die Impulse, die du gesetzt hast, weitergetragen werden: von denjenigen, die deine Vision teilen, sowie durch neue Akteure, die von deiner Pionierarbeit und deinem Engagement profitieren.
Wir wünschen dir für die kommende Zeit alles Gute – Gesundheit, Freude, Muße – und weiterhin Energie, Gedanken und Ideen, die die gemeinsame Sache voranbringen.
Danke!
Neues Angebot: Stuttgarter Spielzimmer auf Zeit
Das „Spielzimmer auf Zeit“, ein Projekt der Abteilung für Chancengleichheit der Landeshauptstadt Stuttgart, ist seit heute online. Die Idee dahinter:
Ab Oktober können getrennt lebenden Elternteile, die zu ihren Kindern nach Stuttgart reisen, einen kostenfreien und kindgerechten Raum im Stadtteilhaus Mitte buchen. Der Spielraum steht nach Anmeldung samstags von 9 bis 17 Uhr zur Verfügung.
Kinder benötigen auch nach der Trennung der Eltern eine sichere Bindung zu beiden Elternteilen. Die Landeshauptstadt Stuttgart bietet daher Vätern und Müttern, die von ihrem Kind getrennt leben und keine Wohnung in Stuttgart haben, ein „Spielzimmer auf Zeit“ an: Einen kindgerechten Raum in der Stuttgarter Innenstadt, in dem Eltern und Kinder samstags ungestört Zeit miteinander verbringen können. Das Spielzimmer kann samstags zwischen 9 bis 17 Uhr gebucht werden. An Feiertagen und in den Weihnachtsferien in Baden-Württemberg bleibt das Spielzimmer geschlossen. Um den Spielraum nutzen zu können, ist eine Anmeldung unter spielzimmeraufzeit@stuttgart.de zwingend erforderlich.
Gerade in den Herbst‐ und Wintermonaten, wenn Spielplätze als Treffpunkte ungemütlich werden, bietet das „Spielzimmer auf Zeit“ eine kostenfreie Alternative für Eltern, die nach Stuttgart reisen, um ihre Kinder zu treffen. Der Raum ist unter anderem mit einer kleinen Kuschelecke, Bobbycars, Kinderbüchern und Malsachen ausgestattet und eignet sich besonders für Kinder im Kleinkind‐ und Vorschulbereich.
Das „Spielzimmer auf Zeit“ läuft vorerst bis zum 28. März 2026 und ist ein Projekt der Abteilung für Chancengleichheit der Landeshauptstadt Stuttgart, in Kooperation mit der Wüstenrot Stiftung sowie dem Stadtteilhaus Mitte.
Weitere Informationen unter www.stuttgart.de/spielzimmer-auf-zeit
Unsere neue Postkarte ist da
Wir freuen uns über unser jüngstes „Produkt“ – die neue Postkarte von männer.bw!
In den nächsten Tagen wird sie allen Mitgliedern per Post zugehen.
Wer zusätzliche Exemplare möchte oder (noch) keine bekommen hat, kann sie ganz einfach unter forum@maenner-bw.de bestellen.
Neues Positionspapier zur Gewaltbetroffenheit von Männern
Gewalt betrifft Menschen aller Geschlechter – im privaten Umfeld, am Arbeitsplatz, in Institutionen oder in Krisensituationen. 2024 waren knapp 59 % der registrierten Gewaltopfer männlich, fast ein Drittel der von häuslicher Gewalt Betroffenen sind Männer.
Die bestehenden Hilfsangebote für Männer reichen oft nicht aus: In Baden-Württemberg stehen aktuell nur zwei Schutzwohnungen mit drei Plätzen zur Verfügung, und spezialisierte Beratungsstellen fehlen vielerorts. Hinzu kommen gesellschaftliche Barrieren wie Scham oder traditionelle Rollenbilder, die Männern den Zugang zu Unterstützung erschweren.
Das neue männer.bw-Positionspapier „Gewalt gegen Männer: Betroffenheiten anerkennen – Hilfesysteme ausbauen“ fordert deshalb: Schutz- und Beratungsangebote für Männer ausbauen und die Präventionsarbeit stärken. Ziel ist ein inklusives Hilfesystem, das allen Menschen ein sicheres, selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben ermöglicht.
SWR2 Forum: Von fragil bis toxisch – Was heißt „Männlichkeit“ heute?
Bernd Lechler diskutiert mit
Prof. Dr. Sylka Scholz, Soziologin, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Markus Theunert, Psychologe und Publizist, Zürich
Dr. Reinhard Winter, Pädagoge, Sozialwissenschaftliches Institut Tübingen
Alphamänner wie Wladimir Putin und Donald Trump führen Krieg und dominieren die Weltpolitik. Die Zahlen zu Femiziden und Beziehungsgewalt sind bestürzend. In sozialen Medien machen Frauenhasser Karriere, und junge Männer wählen rechts. Schlägt nach metoo und feministischer Debatte nun das Patriarchat zurück? Mit welchen Idealen und Männerbildern wachsen Jungen auf? Wie sähe eine gesündere Männlichkeit aus?
Donnerstag 7. August, 17.05 Uhr, Forum, SWR Kultur